Bogendach trifft römische Legionen

29.04.2020zur Übersicht

Ein Interview mit DI Michael Schröckenfuchs, Architekt der Schutzbauten zur Oberösterreichischen Landesausstellung 2018

Bis heute sind die Spuren des römischen Weltreiches in Form von Ausgrabungen und archĂ€ologischen Funden in ganz Österreich zu finden. Im Jahr 2018 widmete sich die Oberösterreichische Landesausstellung unter dem Motto „Die RĂŒckkehr der Legion“ dem Leben der alten Römer vor ĂŒber 1800 Jahren. Schauplatz der Ausstellung waren die Orte Schlögen, Enns und Oberranna im Oberen Donautal. Vor Wind und Wetter werden die wertvollen Ausgrabungen seitdem von eindrucksvollen Bauten geschĂŒtzt. „Die Schutzbauten bezeichneten wir schon bei der Errichtung als wahre Schatztruhen – dabei erinnert nicht nur das gebogene Dach an die Ă€ußere Form einer Truhe, vielmehr ist es der wertvolle Inhalt aller drei Objekte, der ihnen diese Bezeichnung einbrachte,“ so DI Michael Schröckenfuchs, Architekt der Bauten. Im Interview erzĂ€hlt er außerdem ĂŒber die schwierigen Bedingungen in der Planung und Umsetzung der Bauwerke sowie ĂŒber die hohen Anforderungen an die leichten Peneder Bogendachschalen.

Römische Ausgrabungen in OÖ

Über 500 Jahre prĂ€gten die Römer die Landschaft Europas – auch in den entlegensten Ecken des frĂŒheren „Imperium Romanum“ sind archĂ€ologische Zeitzeugen römischer Kultur zu finden. Indizien fĂŒr die reiche Kulturgeschichte der Römer in Oberösterreich sind u.a. die Ruinen des römischen Badehauses in Schlögen, das sich umgeben von einem Kastell direkt an der sogenannten Limesstraße befand. Heute werden die gut erhaltenen Ausgrabungen durch einen Aufbau geschĂŒtzt, der schwierige Bedingungen fĂŒr den Architekten mit sich brachte.

Ungewissheit in der Planung

„Bereits in der Konzeptphase war klar, dass enorm viel FlexibilitĂ€t in der Baurealisierung von uns gefragt war. Das Ausmaß der Ausgrabungen in Schlögen war in der Planung noch nicht absehbar und somit musste ich ein System zum Einsatz bringen, das ausreichend Spielraum hinsichtlich der Dimensionen des Objektes bot. Das Peneder Bogendach stellte sich als das ideale Produkt heraus, da es eine Überspannung der Ausgrabungen ohne TrĂ€ger in hoher Spannweite zugelassen hat – und das auch an den beiden anderen Standorten in Enns und Oberranna“, betont DI Michael Schröckenfuchs die Herausforderungen der Planung der Schutzbauten.

ZusĂ€tzlich zur Ungewissheit ĂŒber die finale GrĂ¶ĂŸe der Bauten, kam bei den Objekten noch der Aspekt der unterschiedlichen topographischen Komponenten der Lage am Fluss, der vorbeilaufenden Straßen und der Hanglage in Enns hinzu. „Die vielfĂ€ltigen landschaftlichen Rahmenbedingungen aller drei Schutzbauten setzten voraus, Elemente einzusetzen, die, bei gleichzeitig hoher FlexibilitĂ€t in der Anwendung, eine klare Wiedererkennbarkeit liefern. Die Kombination aus rohem Beton, unbehandelter Holzfassade und dem farblich veredelten Bogendach sollen das erfĂŒllen“, erlĂ€utert DI Michael Schröckenfuchs.

Wie baut man ein Dach, ohne den Bauplatz zu betreten?

Der grĂ¶ĂŸte Aufbau aller drei Schutzbauten umgibt den „Quadriburgus“ in Oberranna, eine römische Befestigungsanlage mit quadratischem Grundriss und an den Ecken angesetzten RundtĂŒrmen. Die Ruinen des Burgus gelten als das am besten erhaltene römische Bauwerk Oberösterreichs. „Bei der Errichtung des GebĂ€udes waren die sensiblen Arbeiten der ArchĂ€ologen teilweise noch in vollem Gange – aus konservatorischen GrĂŒnden durften wir nur einen sehr kleinen Teil des Bauplatzes außerhalb der Grenzen des Denkmales im Bauablauf betreten. Hier spielte uns der Einsatz der Peneder Dachschalen in die HĂ€nde, da diese quasi nur auf das GrundgerĂŒst gehoben werden mussten. Das statische System ermöglichte uns somit eine Fertigstellung, ohne die Ausgrabungen zu stören. Außerdem verkĂŒrzte sich die Bauzeit, weil das Bogendach eine rasche Regendichtheit gewĂ€hrleistet“, so DI Michael Schröckenfuchs ĂŒber die spezifischen VorzĂŒge des Bogendaches.

Abgeschaut von den alten Römern

Analog zur römischen Baukunst, die sich besonders durch ihre hohe Effizienz und Charakteristik auszeichnet, ist die schlanke Bogendachkonstruktion mit extremer Spannweite ebenso funktional und stilgebend. Die hermetische Gestaltung ohne Fenster verleiht den GebĂ€uden in Enns, Oberranna und Schlögen eine eigene, unverwechselbare IdentitĂ€t. Trotz der geschlossenen Form sind die Ausgrabungen gut durchlĂŒftet, das Raumklima nicht zu feucht und die Temperaturen im Winter ĂŒber dem Gefrierpunkt. DI Michael Schröckenfuchs mag an den Bauten besonders, dass „der Besucher innerhalb der Objekte eine Offenheit und Leichtigkeit erlebt, die von außen nur erahnt werden kann. Hier ist uns gelungen, ein industriell vorgefertigtes Produkt, nĂ€mlich die Bogendachschalen, in etwas zu verwandeln, das gleichermaßen funktionelle Aufgaben erfĂŒllt und stilbestimmend fĂŒr das gesamte GebĂ€ude wirkt.“

Infos in KĂŒrze:

Die Schutzbauten der OÖ Landesausstellung wurden im Jahr 2018 errichtet und bewahren die wertvollen römischen Ausgrabungen seither vor Wind- und WettereinflĂŒssen. Geplant und realisiert wurden alle drei Objekte von Architekt DI Michael Schröckenfuchs, der die Peneder Bogendachschalen als flexible und langlebige Bedachung fĂŒr die Überreste dieser römischen Bauten wĂ€hlte.

  • Ruinen des Quadriburgus in Oberranna / Marktgemeinde Engelhartszell: Befestigungsanlage mit quadratischem Grundriss und befestigten RundtĂŒrmen
  • „Calcaria“ Ausgrabung eines römischen Kalkbrennofens in Enns: Teil der grĂ¶ĂŸten bekannten römischen Kalkbrennofen-Anlage des Imperium Romanum
  • „Balneum“ Ausgrabung eines Römischen Bades in Schlögen: Ruinen eines Badehauses inmitten eines Kastells und einer kleinen Siedlung