Nachgefragt: Architektur und Gestaltung in Krisenzeiten
Die Schlagzeilen in den Medien scheinen sich derzeit auf die Wirtschaftskrise zu reduzieren. Reduziert die Krise ihrerseits die Architektur auf ihre bloße Funktionalität? Nicht zwangsläufig, meint Architektin Anuschka Frick, eine der vier Architekten von Peneder Bau im Interview.Frau Frick, wie viele andere Branchen scheint auch die Architektur in eine Krise zu schlittern. Selbst renommierte Büros haben mit negativen Auswirkungen zu kämpfen, da Großprojekte verschoben werden. Folgt der wirtschaftlichen Krise nun ein kreativer Befreiungsschlag, der auf geänderte Gegebenheiten reagiert?
Nein, von einem kreativen Befreiungsschlag ist in Anbetracht der Wirtschaftskrise sicher nicht zu reden, es herrschten ja zuvor auch keinerlei formale Zwänge. Ganz im Gegenteil war die Architekturszene vielerorts von kurzlebigen Modeerscheinungen geprägt. Ausgehend davon erwarte ich nun eine Schwerpunktverschiebung hin zu den Inhalten, also mehr Augenmerk auf die innere Struktur und Funktionalität eines Gebäudes.
Wie reagiert man bei Peneder auf die geänderten Anforderungen?
Bei Peneder steht natürlich die Funktionalität an erster Stelle. Der Entwurf muss die Prozesse des jeweiligen Betriebes optimal widerspiegeln. Dabei gleichzeitig eine identitätsstiftende Architektur zu schaffen, steht jedoch genauso im Mittelpunkt unserer Tätigkeit. Es war und ist immer noch unser Anliegen, formale mit wirtschaftlichen Aspekten zu vereinen. Wir werden zukünftig sicherlich mit mehr Zurückhaltung unserer Kunden rechnen müssen. Hier gilt es einerseits noch mehr auf Kundenwünsche einzugehen, andererseits aber auch eine gemeinsame Vertrauensbasis zu schaffen, die unseren Kunden in diesen Zeiten den Rücken stärkt. Gerade jetzt ist es enorm wichtig, optimistisch in die Zukunft zu blicken und bei Bedarf auch in diese zu investieren.
Repräsentanten verschiedenster Firmen scheuen Ereignisse wie den Opernball, weil Sie in Zeiten schlechter Wirtschaftsdaten keine falschen Signale senden wollen. Ist jetzt neue Bescheidenheit angesagt? Wie lässt sich in der Architektur Selbstbewusstsein realisieren ohne Überheblichkeit zu signalisieren?
Firmengebäude sind im Selbstverständnis von Peneder stets Ausdruck der
Firmenphilosophie des Auftraggebers. Selbstbewusste Architektur konzentriert
sich auf das Wesentliche, wird dabei jedoch immer auch gestaltend wirksam. Das
Credo „weniger ist manchmal mehr“ wird auch die Architektur bei Peneder
maßgeblich beeinflussen. Dies hängt immer von der jeweiligen Aufgabenstellung
ab und kann sich z.B. in Form einer zusätzlichen Optimierung des Grundrisses
oder aber auch in der Auswahl der Materialien widerspiegeln. Es geht in keiner
Weise darum, einfach nur billiger zu bauen, sondern darum, besser zu planen und
noch besser zu bauen.
Energiesparen erlebt trotz Krise einen Boom. Wie wirkt sich dieses neue Bewusstsein auf Ihre Arbeit aus? Werden Energiesparkonzepte von der Kür zur Pflicht?
Es ist völlig klar, dass das Thema Energiesparen immer wichtiger wird. Wer in Energiesparmaßnahmen investiert, denkt längerfristig und handelt nachhaltig. Dennoch ist gerade auch hier Vorsicht geboten, denn nicht jede viel gepriesene Energiesparmaßnahme erfüllt ihren Zweck oder ist eine lohnende Investition. Manchmal ist es effektiver, einfach die Raumtemperatur um ein Grad herunterzuschalten.
Wagen Sie eine Prognose. Wie werden Kunsthistoriker einmal jene Phase beschreiben, die jetzt gerade ihren Anfang nimmt?
Ich bin zwar keine Historikerin, aber vielleicht wird die momentane Phase als Zeit der Rückbesinnung und Rückgewinnung umschrieben werden, eine Rückbesinnung auf die wahren Werte in jedweder Hinsicht.


